Entstanden bin ich in einem Druckverlag. Goldmann. In München. Das ist nun doch schon 11 Jahre her. Ich bin glücklich darüber, dass ich bedruckt wurde. Dadurch habe ich mir eine Persönlichkeit angeeignet, was nur wenigen anderen Objekten meiner Größe, Zu Gute kommt. Zumindest in diesem Ausmaß an Tiefgang nicht. Damals wurde ich dort verpackt mit vielen anderen meiner Art und verschickt. Die Reise war holprig, dunkel, stickig, aber wir kamen an. In einer wunderbaren Buchhandlung in Frankfurt am Main. Ich hatte das Glück, zweiter in dem Stapel meines Exemplars zu sein und so dauerte es nicht lange, bis ich oben auflag und die Reichtümer meiner Umgebung bewunderte. Das war tatsächlich die Beste Zeit meines Lebens. Nie mehr wieder war ich von so viel Vielfalt meines Selbst umgeben! Häufig plauderten wir nicht viel untereinander, da die Menschen es mögen, wenn es ruhig ist um uns. Und dennoch gab es schon ein paar Vorlaute unter uns, die schrien, um gehört zu werden. Sie hatten meist bunte pralle Drucke und waren nicht selten auf dem Bestseller Regal. Mir ging es da anders. Nicht, weil ich das nicht auch so sein wollte wie sie, nur so sehr ich es auch versuchte, ich war wohl einfach nicht dafür gemacht. Mit der schwarz-weiß-Fotografie eines traurig dreinblickenden Jungen, der Tauben im Gehen hochwirbelt gefiel ich wohl eher den melancholischen Geistern. Vielleicht war ich auch froh drum. Schließlich sind dies Menschen, die sich dem Buch wirklich widmen, es neben dem Kerzenschein lesen, es als Hoheit auf ihrem Nachttischchen drapieren und über ihm sinnieren, eh das Licht erlischt. Der junge Mann, bei dem ich später landete, blickte mich häufig nachdem er mich zu schlag noch mehrere Sekunden von außen an, als wenn er mich weiter in sich trägt und noch einige Momente bräuchte, um sich wieder von mir lösen zu können.
I was printed by a publisher company. Goldman. In Munich. That was 11 years ago. I am happy that I got filled with words. As a result, I have acquired a personality that only benefits a few other objects of my size. At least not to this extent of depth. At that time I was packed up there with many others of my kind and shipped. The trip was bumpy, dark, sticky, but we arrived. In a wonderful bookstore in Frankfurt am Main. I was lucky enough to be second in the stack of my copy and so it didn’t take long until I lay on top and got to admire the treasures around me. It was actually the best time of my life. Never again have I been surrounded by such a diversity of myself! Often, we did not chat much with each other, because people like it when it is quiet around us. And yet there were a few frivolous among us that screamed to be heard. They mostly had brightly colored, bulging prints and were not infrequently on the bestseller shelf. I felt different. Not because I did not want to be like them, just as hard as I tried, I just was not made for it. With the black and white photograph of a sad-looking boy who whirls up pigeons while walking, I probably was preferred by the melancholy spirits. Maybe I was lucky too. After all, these are people who really dedicate themselves to the book, read it next to the candlelight, drape it as majestic-dignity on their bedside table and ponder over it till the light comes to an end. The young man, with whom I ended up, often looked at me for several seconds from the outside after he closed me, as if he was still carrying me within his self and needed a few more moments to be able to detach oneself from me.